Rückblick 2012

Klimacamp im Rheinland - Nachlese

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Eine wilde Obstwiese im idyllischen Örtchen Manheim im Kreis Kerpen unweit der Domstadt Köln. Solarpanelen, die die Sonnenstrahlen aufsaugen und in Strom verwandeln. Selbstgebaute Trockenklos. Workshops in bunten Jurten. Lagerfeuer in der Dunkelheit, ohne störende Stadtlichter. Leckeres, veganes Essen. Kinder mit Eltern, Dorfbewohner, viele junge Aktivisten und Interessierte aus dem In- und Ausland. Wie idyllisch!!! Wie so oft hat diese Idylle jedoch leider einen Haken.

 


Gruppenabschlussblid mit buntem Banner


Das Rheinische Braunkohlerevier: Ein symbolischer Ort für die Klimabewegung

 


Cynthia und Ann-Kathrin vor dem Tagebau

Durch das Rheinische Braunkohlerevier ist der Energiekonzern RWE (Rheinisch-Westfälisches Elektrizitätswerk) mit fast 10% am gesamtdeutschen CO2-Ausstoß beteiligt. Braunkohle ist der klimaschädlichste aller in Deutschland eingesetzten Energieträger. Immer noch wird der Neubau von Braunkohlekraftwerken vorangetrieben und damit der Ausbau von Erneuerbaren Energien massiv behindert. Der Braunkohletagebau führt zur Zerstörung von Ökosystemen, dem Raubbau an Grundwasser und der Zwangsumsiedlung ganzer Dörfer.


Nach dem Klimacamp 2011 gründete sich die Kampagne „ausgeco2hlt“, die seitdem auch zwischen den Camps Anti-Braunkohle Aktionen macht. Die „Heißen Zeiten“ waren und sind Teil dieses Bündnisses und waren in diesem Jahr mit einem eigenen Barrio (Viertel) vertreten.

Internationales Barrio „Hot Times“

In unserem Barrio „Hot Times“ ging es besonders um Klimagerechtigkeit und internationale Vernetzung. Unser Team plante einen internationalen Aktionstag, der am 8. Dezember in verschiedenen Ländern umgesetzt werden soll. Auf Dauer wollen wir eine internationale Aktionsgemeinschaft etablieren, die sich für Solidarität und globale Gerechtigkeit einsetzt und regelmäßig Aktionen in Deutschland und weltweit umsetzt.

 


Barrio-Team

Internationaler Aktionstag „Shape the Future“ am 8. Dezember 2012

Die Auswirkungen des Klimawandels treffen die Menschen im globalen Süden besonders hart, obwohl sie am wenigsten dazu beitragen. Wir fordern mehr Klimagerechtigkeit!!! Die Industrie- und Schwellenländer müssen endlich mehr Verantwortung für ihren riesigen Energiehunger übernehmen. Um die Öffentlichkeit wachzurütteln und mehr internationale Solidarität zu schaffen, wollen wir mit euch und  mit unserer Partner-Kampagne Mission Klima Retten – Powered by Heaven sowie unserem Jugendnetzwerk Open Globe am 8. Dezember auf die Straße gehen. Das Datum haben wir gewählt, weil im Dezember die Klimaverhandlungen in Qatar stattfinden. Ein geeigneter Zeitpunkt, um die RegierungsvertreterInnen an ihre Verantwortung zu ambitionierten und verbindlichen Klimaschutzzielen zu erinnern. Unsere Partnerorganisationen aus Kolumbien und Bangladesch sind schon mal dabei!  

 



Lucas Ochoa Roldán aus Kolumbien ist aktiv bei AMA (Amigos del Medio Ambiente = Friends of the Earth). AMA besteht aus ca. 25 AktivistInnen aus Medellín, die sich gegen die Umwelt- und Naturzerstörung und die Verletzung von Menschenrechten durch transnationale Bergbau- und Ölkonzerne auflehnen. Am 1. August dieses Jahres beteiligte AMA sich an einem nationalen Aktionstag und ging mit weiteren 2000 Menschen in Bogota auf die Straße: „Defendamos la Vida, frenemos la Locomotora Minero-Energética“ (in etwa: „Verteidigt das Leben, stoppt die Minen!“). Kolumbien ist seit 2011 wichtigster Kohlelieferant für deutsche Kraftwerke. Dafür fallen den Tagebauen tausende Hektar Wald und landwirtschaftlich nutzbarer Flächen zum Opfer. Betroffen sind vor allem indigene und afrokolumbianische Gemeinschaften, die ihre Nahrung größtenteils aus ihrer Umwelt beziehen. Deutschland trägt als einer der größten Importeure von Rohstoffen eine Mitverantwortung für die Situation in den Abbaugebieten.

 


Versammlung der Kleinbauern


Pathak Lal Golder von der Kleinbauernbewegung Bangladesch Krishok Federation  berichtete uns letztes Jahr von schwindenden Küsten und Agrarflächen, Extremwetterereignissen und der wachsenden Verarmung der Kleinbauern in seinem Land. Die Krishok Federation organisierte im November 2011 eine Klimakarawane quer durch Bangladesch, die mehr internationale Solidarität und Ernährungssouveränität forderte und eine Deklaration verabschiedete. Pathak konnte leider nicht persönlich zum Camp kommen, wir stehen jedoch in engem Kontakt mit ihm.

Persönlicher Erfahrungsbericht

Über eine Woche lang im Zelt campen, Solarduschen und Komposttoiletten benutzen und dann noch vegan essen? Eigentlich überhaupt nichts für mich! Jedoch begann ich eine Woche vor Campstart mein Praktikum bei den „Heißen Zeiten“ und war direkt mittendrin!

 

 
Auch wenn der Verzicht auf den gewissen „Luxus“ nun einmal zum Klimacamp dazu gehört, ist es doch viel mehr als nur Campen auf einer wilden Obstwiese. Ziel ist es, sich auszutauschen, Ideen für eine andere Energieversorgung zu sammeln und aktiv zu werden gegen den Klimawandel. Das vielfältige Programm reichte dabei von Samba-Workshops über praktische Workshops bis hin zu Exkursionen zum Hambacher Tagebau.

 

Für mich als Praktikantin bei „Heiße Zeiten“ ging es beim Camp vor allem darum, unsere Workshops zu begleiten, organisatorisch wie auch inhaltlich. Besonders schön war dabei der Austausch mit unserem Gast aus Kolumbien Lucas Ochoa Roldán. Zusammen mit ihm und weiteren internationalen Gästen (u.a. aus China, Taiwan, Italien und Frankreich) organisierten wir sogar einen Ausflug nach Aachen, da das allgemeine Interesse bestand, auch mal etwas außerhalb des Camps von Deutschland zu sehen. Ein weiteres Highlight war die Exkursion mit unserem Team zur nahe gelegenen Waldbesetzung des Hambacher Forsts. Es war sehr beeindruckend zu sehen, wie viel Zeit sich die Aktivisten für die Gestaltung und den Bau der Baumhäuser sowie der allgemeinen Infrastruktur genommen haben.

 

Es zeigte sich außerdem, dass trotz der großen Unterschiedlichkeit der TeilnehmerInnen ein gutes Miteinander und eine angenehme Atmosphäre auf dem Camp herrschte. Sicherlich ist hierbei auch die Gewissheit, dass alle TeilnehmerInnen im Großen und Ganzen für die gleiche Sache arbeiten, nämlich Klimaschutz, ausschlaggebend gewesen.

 

Im Nachhinein kann ich jedem die Teilnahme am Klimacamp empfehlen! Auch wenn ich mich nach den vielen Nächten auf der Luftmatratze in meinem undichten Zelt wirklich sehr auf mein zu Hause gefreut habe, war es eine einzigartige Erfahrung am Camp teilgenommen zu haben. Inhaltlich habe ich viele Anregungen bekommen, wie ich mich an Aktionen gegen den Klimawandel beteiligen kann. Sicherlich auch noch über meine Praktikumszeit hinaus!


Verfasst von Vanessa Schrader, Mitglied des „Heiße Zeiten“ Barrios-Teams

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